Der Umgang mit dem Wasser als zentrale Herausforderung

Der Wassermangel im Seebecken beherrscht die Klimawandeldiskussion am Neusiedler See. Das versperrt den Blick auf den Handlungsbedarf im Naturschutz, in der Landwirtschaft und im Tourismus – und auf die damit verbundenen Chancen.

Geht es nur um den See?


Wenn Panik aufkommt, sind einfache Botschaften gefragt, keine komplexen Zusammenhänge. Lautstarke Forderungen nach einer Wasserzufuhr in den See machen die Runde, wie zuletzt 2003. Erklärungsversuche zur gesamten Bandbreite der Klimawandelfolgen scheitern nicht zuletzt an einer in Klischees verhafteten Medienberichterstattung. Dazu kommt, dass der niedrige Wasserspiegel des Sees sichtbar ist, nicht aber die Rekordtiefstände des Grundwassers. Was Letzteres für die Salzlacken bedeutet, sollte mehr Grund zur Beunruhigung geben als temporäre Einschränkungen für den Segelsport.

In der öffentlichen Diskussion den Unterschied zwischen Austrocknung und Verlandung (der Lacken oder des Sees) verständlich machen zu wollen, ist ebenso schwierig wie die Erklärung des Unterschieds zwischen See- und Grundwasser. Auch das Märchen von der unterirdischen Verbindung des Neusiedler Sees mit der Donau wird wieder gerne erzählt. Mehr denn je ist also Informationsarbeit gefragt.

Lässt sich das Wasser in der Region halten?


Die Wassertaskforce der Landesregierung verfolgt nach wie vor die Variante der Dotation des Sees über die Mosoni Duna (Wieselburger Donau), aus der Sicht der Wissenschaft wird aber auf notwendige Untersuchungen der Wasserqualität hingewiesen. Wasserbau- und Naturschutzexperten fordern gleichzeitig ein Gesamtkonzept, um das Niederschlagswasser so lange wie möglich in der Region zu halten. Nach Jahrhunderten der Bemühungen, das Wasser aus Österreichs tiefst gelegener Region schnellstmöglich Richtung Schwarzes Meer loszuwerden, wäre jetzt die Rückführung von Wasser im Seewinkel angesagt.

Selbst durchschnittliche Jahresniederschlagsmengen werden wohl nicht reichen, um die Grundwasserreserven wieder aufzufüllen – bei wochenlangen Hitzeperioden. Eine gesicherte Methode zur Versorgung bewässerungsintensiver Nutzpflanzen kann auch die Donau nicht bieten, wenn man sich die niedrigen Wasserstände der letzten Jahre vor Augen hält. Zeit- und sortenbezogene Einschränkungen der landwirtschaftlichen Bewässerung werden deshalb genauso unverzichtbar sein wie wasserbauliche Rückhaltemaßnahmen.

Graurinderherde im Seevorgelände
Beweidung im Nationalpark: Der Einsatz von Graurindern gegen die landseitige Ausbreitung des Schilfgürtels ist ein Beispiel dafür, wie die Kulturlandschaft mit gezielten ­Maßnahmen erhalten werden kann.

Reichen die Managementmaßnahmen?


Konservierender Naturschutz allein, also das Außernutzungstellen von Lebensräumen, reicht nicht – ­das macht der Klimawandel deutlich sichtbar. Zwar ist das Land verpflichtet, Managementmaßnahmen zum Schutz der Biodiversität zu setzen, oft fehlen aber die dafür benötigten Ressourcen. Neben Instrumenten wie Beweidung, Mahd oder Entbuschung geht es dabei um das Rückhalten wertvollen Niederschlagswassers. Wie das Beispiel der Salzlacken eindrucksvoll zeigt, können negative Eingriffe wie das Absenken des Grundwassers außerhalb eines Schutzgebiets zu massiven Problemen im Schutzgebiet selbst führen. Eine klimawandelgerechte Nachjustierung der Gesetze unter Berücksichtigung der benötigten finanziellen Mittel für das Flächenmanagement könnte hier zielführend sein.

Neue Perspektiven für den Tourismus?


Den niedrigen Wasserstand des Neusiedler Sees zu beklagen, ohne Entwicklungsziele bis zum Stabilisieren oder Ansteigen des Wasserspiegels zu haben, grenzt an Defätismus. Im Gegensatz zum reinen Strandtourismus vor den 1980er Jahren steht das heutige Angebot der Region auf einer breiten Basis: Die Diversifizierung mit dem Natur-, Fahrrad-, Wein-, Kultur- und Wellnesstourismus hat neue Märkte erschlossen und die Saison verlängert. Trotzdem gilt es jetzt, die Destination, die den See im Namen trägt, neu zu positionieren.
Die in gemeinsamen EU-Projekten bewährte Zusammenarbeit mit den ungarischen und slowakischen Nachbarn ermöglicht einen erfolgversprechenden Schritt zu einer auf Drittmärkten gemeinsam auftretenden Tourismusregion, vor allem im Natur- und Kulturtourismus. Das Naturerlebnis mit einem ausgetrockneten Schilfgürtel zu erweitern, die Infrastruktur dem neuen Umfeld anzupassen und daraus ein einzigartiges Produkt zu formen, wäre eine weitere Option. Gefragt ist zudem eine Alternative zur Fährverbindung für Radfahrer; und, schon lange geplant, die marketingseitige Aufbereitung der Attraktionen des gemeinsamen Weltkulturerbes. Eher vernachlässigt erscheint bisher (mit Ausnahme des Nationalparks) der Fachtourismus, der mit neuen Programmen bedient werden könnte. Idealerweise sollten diese und weitere Ansätze umgehend in eine Art Plan B für den Tourismus am Neusiedler See einfließen.

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