Ein Naturraum, viele Schutzgebiets-Typen

An die 40 Prozent der Landesfläche stehen im Burgenland unter Schutz, ein großer Teil davon im Naturraum Neusiedler See. In mehreren grenzüberschreitenden Gebieten tragen Land und Bund gemeinsam mit Ungarn Verantwortung für das Naturerbe.

Wie kam es zum gemeinsamen Commitment?


An Grenzen herrscht Vielfalt. Das gilt besonders für die Artenvielfalt an naturräumlichen Grenzen. Kommen dazu noch die Vielfalt an seltenen Lebensräumen und die große Bedeutung als Trittstein für den europäisch-afrikanischen Vogelzug, wird klar, warum das Neusiedler See – Gebiet schon seit Generationen von Wissenschaftern als höchst schützenswert – aber gleichzeitig durch nicht nachhaltige Nutzung gefährdet – angesehen wird. Bereits kurz nach der Gründung des Burgenlands 1921 wurden die ersten „Banngebiete“ zum Schutz der dort lebenden Tiere und Pflanzen gesetzlich verankert. Obwohl die damalige Unterschutzstellung im Vergleich zu heute weitgehend zahnlos erscheint, ist sie im Hinblick auf die nach dem Ersten Weltkrieg herrschende Armut durchaus zu würdigen.

Die Zusammenarbeit im Naturschutz zwischen dem Burgenland und Ungarn begann schon lange vor der politischen Wende – schließlich können Probleme in einem grenzüberschreitenden Gewässer nicht von einer Seite allein angegangen werden. So legte die Einrichtung der Österreichisch-Ungarischen Grenzgewässerkommission 1956 den Grundstein für die gemeinsame Wasserstandsregulierung des Sees, und der naturschutzfachliche Austausch konnte selbst zu kommunistischen Zeiten im Rahmen der Neusiedler See – Tagungen erfolgen. Obwohl die gesetzliche Naturschutzkompetenz in Ungarn beim Staat, in Österreich aber bei den Bundesländern liegt, hat die zielgerichtete Zusammenarbeit zu einer Reihe von Erfolgen geführt, ohne die es die heutige Schutzgebietslandschaft nicht gäbe. Als eine Art österreichisch-ungarische „Ko-Produktion“ ist das Natura-2000-Gebiet Neusiedler See samt nordöstlichem Leithagebirge und Waasen-Hanság zu nennen, ebenso Österreichs größtes Ramsar-Gebiet Neusiedler See – Seewinkel – Hanság, das UNESCO-Weltkulturerbe ­Neusiedler See – Fertő taj und – nicht zuletzt – der erste grenzüberschreitende Nationalpark ­Neusiedler See – Seewinkel / Fertő – Hanság.

Wer sind die Akteure?


Die beiden EU-Mitgliedsstaaten sind verpflichtet, die Richtlinien der Gemeinschaft in nationales Recht umzusetzen. Die damit befassten Naturschutzbehörden – im Burgenland die Landesregierung, in Ungarn das Umweltministerium – arbeiten bei der Implementierung dieser Richtlinien mit zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen. Im Rahmen von EU-kofinanzierten Projekten unterstützen NGOs wie BirdLife, WWF und Naturschutzbund mit ihrem Fachwissen und ihrer Erfahrung die Behörden bei der Erfüllung ihrer Aufgaben, sei es hinsichtlich der EU-Richtlinien (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) oder der durch die entsprechenden Konventionen eingegangenen Verpflichtungen (z.B. Ramsar-Konvention). Im angewandten Naturschutz kommt den beiden Nationalparkverwaltungen eine zentrale Rolle zu. Dabei sind WWF und BirdLife immer wieder als Partner in Nationalparkprojekte involviert.

Die Große Rohrdommel ist eine der vielen Vogelarten, die perfekt an den Lebensraum Schilf angepasst ist.

Wie zeigt sich die Biodiversitätskrise am Neusiedler See?

Dringender Handlungsbedarf für die Salzlebensräume ist durch den Klimawandel und, damit verbunden, durch die Übernutzung des Grundwassers für die landwirtschaftliche Bewässerung rund um die Nationalparkflächen gegeben. Das Nationalparkmanagement intensiviert deshalb die Zusammenarbeit mit allen Akteuren auf Landes- wie auf Bundesebene, um durch gezielte Maßnahmen die negativen Entwicklungen zu stoppen und den schleichenden Verlust dieser empfindlichen Lebensräume zu verhindern.

Der WWF Österreich widmet den Schwerpunkt seiner Aktivitäten im Naturraum Neusiedler See ebenfalls der Erhaltung der verbliebenen Feuchtlebensräume. Um weitere Flächenverluste zu verhindern, fordert der WWF mehr Anstrengungen beim Zurückhalten von Niederschlagswasser in der Region sowie eine drastische Reduktion der Grundwasserentnahme und spricht sich aus mehreren Gründen vehement für einen Verzicht auf die Einleitung von Wasser in das Seebecken aus.

Auf den Vogelschutz im Schilfgürtel richtet BirdLife Österreich derzeit seinen Fokus und verweist auf dramatische Rückgänge bei einzelnen Vogelarten, die ihren Lebensraum in Altschilfbeständen haben. Gefordert wird die umgehende Ausarbeitung von Managementmaßnahmen für den Schilfgürtel mit dem Ziel, ein Mosaik aus unterschiedlichen Altersstadien des Schilfs zu ermöglichen. Als eine international erprobte Maßnahme sollte dabei auch das Brandmanagement eingesetzt werden.

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